Stillen und Milchbildung – Wirkung von Stilltee, Hausmittel und Tipps

von Monika Müller-Lochner
Expertin für Naturheilkunde

Hat mein Baby genug getrunken, habe ich genug Milch, reicht das Stillen allein aus oder sollte ich zufüttern? Diese Fragen stellen sich viele Mamas.

Beim Stillen bestimmt die Nachfrage deines Babys das Angebot, aber was geschieht dabei in deinem Körper und wie kannst du deine Milchbildung fördern?

Inhaltsverzeichnis:

Wie wird die Milchbildung angeregt?

Die Hormone Prolaktin, man nennt es auch Milchbildungshormon (aus der Hirnanhangdrüse), und Oxytocin sind entscheidend für die Milchbildung und den Milchfluss. Der Saugimpuls deines Babys an der Brust stimuliert die Brustwarzen und löst so den Milchspendereflex aus, welcher die Ausschüttung beider Hormone in Gang setzt.

Prolaktin sorgt für die Milchbildung und Oxytocin erleichtert das Ausstoßen der Milch beim Stillen, in dem es die Milchgänge zusammenzieht. Gleichzeitig wirkt es auf die Muskelzellen der Gebärmutter und fördert deren Kontraktion.

Wenn du also dein Baby oft anlegst und die Brust dabei ziemlich leer getrunken wird, sorgt dein Körper dafür, dass Prolaktin ausgeschüttet wird und wieder neue Milch nachproduziert wird. Wenn du zu wenig Milch hast oder dein Baby es noch nicht schafft alles zu trinken, ist es hilfreich zusätzlich mittels einer Milchpumpe oder von Hand Milch abzupumpen, um die Brust zu leeren.

Kurz gesagt, je besser dein Baby saugt und trinkt, desto mehr Milch wird nachproduziert. Die Nachfrage regelt beim Stillen das Angebot.

Was kann ich tun, um genügend Milch zu bilden?

Stress wirkt sich negativ auf die Milchbildung aus. Aus diesem Grund ist es nicht nur für dich, sondern auch für dein Baby besonders wichtig, in der Wochenbettzeit Stress so gut es geht für euch beide zu vermeiden.

Sorge für eine entspannte Atmosphäre, lass dir helfen oder hole dir Unterstützung, wenn du das Gefühl hast, dass dir gerade alles zu viel ist.

Neben Ruhe ist vor allem ausreichendes Trinken für die Milchbildung entscheidend. Entspannte Momente entstehen häufig bei einer guten Tasse Tee, in diesem Fall am besten mit Stilltee. Du solltest idealerweise sowieso 2-3 Liter am Tag trinken.

Als Faustregel gilt, bei jeder Stillmahlzeit ein Glas Wasser zu trinken. Optimal sind Wasser, stark verdünnter Obst- oder Gemüsesaft oder auch Kräutertee. Darüber hinaus ist eine gute, gesunde und vitaminreiche Ernährung wichtig, um deinem Baby ausreichend Nährstoffe zu bieten.

Wie wirkt Milchbildungstee?

Seitdem es Aufzeichnungen über Kräuter gibt, wurden viele Kräuter zur Förderung der Milchbildung erkannt. Unser Wissensschatz ist ein Erfahrungsschatz, der von der Hebamme an die Mütter oder von Müttern an ihre Töchter weitergegeben wurde und sich über die Zeit bewährt hat.

Teemischungen werden von verschiedenen Behörden immer wieder im Labor untersucht, damit keine schädlichen Produkte auf den Markt kommen. Dabei werden auch einzelne Inhaltsstoffe der Kräuter nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen geprüft.

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat nun im Januar 2024 ihren europäischen Beurteilungsbericht zu Fenchel aktualisiert. Dieser wurde bisher sehr gern in Stilltees verwendet. 
Nach neuesten Studien sollten Frauen in der Schwangerschaft und Stillzeit jedoch auf Fenchel verzichten, da Hinweise auf eine mögliche Toxizität von Estragol gefunden wurden. Estragol ist z.B. ein natürlicher Bestandteil von Fenchelöl.

Viele Frauen trinken Stilltee, um das komplexe Zusammenspiel der Milchbildung zu unterstützen, und haben gute Erfahrungen damit gemacht. In unserer neuen Rezeptur setzen wir neben Bockshornklee, Kümmel, Melisse und Zitronenverbene auf Orangenblüten und echte Bourbon Vanille. Für einen Stilltee, der auch richtig gut schmeckt.Zu den traditionellen milchbildenden Kräutern gehören: Anis, Kümmel, Schwarzkümmel, Kreuzkümmel, Bockshornklee, Brennnessel, Majoran, Zitronenmelisse, Himbeerblätter, Zitronenverbene, Dill, Basilikum und Mariendistel. All diese milchbildenden Kräuter haben gemeinsam, dass sie fast alle ätherische Öle enthalten, die eine krampflösende Wirkung haben.

Sie entspannen sanft die Milchgänge, so dass die Milch gut fließt und das Baby ruhig trinken kann. Das wiederum ist wichtig, um Blähungen vorzubeugen und hat somit auch eine entspannende Wirkung auf den Babybauch.

Was kann ich sonst noch tun um die Milchbildung zu unterstützen?

Ein wichtiger Punkt ist die richtige Anlegeposition, die sich für dich und dein Baby gut anfühlt. Entscheidend für die Milchbildung ist immer, dass dein Baby ruhig und bequem die Brust leer trinken kann und du dabei entspannt sitzen oder liegen kannst. Das beugt Rückenschmerzen vor und sorgt für eine harmonische Stillsituation.

Deine Hebamme oder Stillberaterin übt mit dir gerne das Anlegen und gibt dir Tipps, um entspannt durch die Stillzeit zu kommen. Du solltest dein Baby am besten in kurzen Abständen anlegen, denn mit jedem Saugen wird ein Impuls zur weiteren Milchbildung gegeben.

Trinken und gutes Essen – Energie Balls

Gesunde, abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung ist besonders in der Stillzeit wichtig. Es hat sich bewährt, kleine Portionen kohlenhydrathaltiger Lebensmittel gleichmäßig über den Tag verteilt zu essen, z. B. Brot, Kartoffeln, Grieß, Reis, Haferflocken, ein paar Nüsse oder Mandelmus und dazu Gemüse wie Karotten, Fenchel, Zucchini. Etwas Obst kann auch aufkommenden Heißhunger stillen, wie zum Beispiel Äpfel, Bananen, Aprikosen, Mango oder Trauben.

Gute hochwertige Öle sind ein fester Bestandteil der gesunden Ernährung. Das Wichtigste ist allerdings, genügend zu trinken. Stilltee kann dir dabei sehr gut helfen. Auf jeden Fall solltest du eine Über- oder Unterernährung vermeiden, das wirkt sich ungünstig auf die Milchproduktion aus.

Rezept für Still-Power-Balls

Diese leckeren Energiekugeln versorgen dich mit gesunder Energie. Verbrauche die Bällchen innerhalb von ein paar Tagen. Du brauchst dafür:
  • 160 Gramm getrocknete Früchte (Datteln, Aprikosen, Feigen, Äpfel... ), die Hälfte davon in jedem Fall Datteln ohne Stein
  • 80 Gramm Nüsse, wie Walnüsse, Mandeln, Haselnüsse, Kürbiskerne oder Kokosflocken und Sesam
  • 1 Teelöffel Leinsamen
  • ¼  Teelöffel Schalenabrieb einer Bio-Zitrone
  • 1 Spritzer Zitronensaft
  • 1-2 Esslöffel Nussmus, zum Beispiel Mandelmus oder Cashewmus

Und so sind sie ruck zuck fertig:

  • zerkleinere die Nüsse und Ölsaaten zusammen mit dem Leinsamen im Mixer
  • gebe die geschnittenen Trockenfrüchte dazu
  • mixe erneut durch
  • gebe dann die restlichen Zutaten zu und mixe noch einmal
  • forme aus der Masse mundgerechte Kugeln
  • und wende diese nach Belieben in Kokosflocken oder Schokoraspeln

Niriki Stillkugeln

Hol dir Rat und Unterstützung bei deiner Hebamme oder Stillberaterin

Hebammen oder Stillberaterinnen sind der Ansprechpartner bei allen Fragen rund ums Stillen. Sie haben ein breites Wissen, viel Erfahrung und haben Lösungsvorschläge für alle Probleme rund um die Stillzeit.
Punkte die einen wichtigen Beitrag zur Milchbildung leisten können, bei denen du aber deine Hebamme fragen solltest:

Saugverwirrung

Nicht zu früh den Schnuller geben, um eine Saugverwirrung zu vermeiden. Erfahrene Hebammen empfehlen bei Neugeborenen in den ersten 4 Wochen auf Schnuller oder Sauger zu verzichten, bis sich das Stillen gut eingespielt hat. Wenn du und dein Baby ein eingespieltes Sill-Team seid, kannst du dein Baby mit einem Schnuller beruhigen und das Saugbedürfnis stillen.

Zusätzliches Abpumpen

Wenn dein Baby noch zu schwach zum Saugen ist, kann eine Milchpumpe übergangsweise helfen die Milchbildung anzuregen. In der Apotheke gibt es Milchpumpen zum Ausleihen oder du versuchst es mit einer Handmilchpumpe.

Anlegeposition

Es gibt ganz verschiedene Haltungen, in denen du stillen kannst. Es ist individuell sehr unterschiedlich, was für dich und dein Baby in der jeweiligen Situation am besten passt. Neben den klassischen Anlegehaltungen gibt es auch sehr hilfreiche Positionen, wenn dein Baby noch etwas kraftlos trinkt, es ein verkürztes Zungenbändchen hat, oder du einen Kaiserschnitt hattest. Je besser und öfter dein Baby trinkt und je entspannter du bist, desto besser ist die Milchproduktion.

Unsere Tipps und Hausmittel

Brust anwärmen

In der Praxis hat es sich bewährt, die Brust ein paar Minuten vor dem Stillen mit feuchtwarmen Wickeln, einem warmen feuchten Waschlappen oder einer Kompresse, einer warmen Dusche oder einem warmen Kirschkernkissen zu wärmen.

Das kann dazu beitragen, dass die Milch besser fließt und dein Baby die Brust besser leer trinken kann. So kannst du auch einem Milchstau vorbeugen. Falls deine Hebamme rät, dazwischen abzupumpen, geht dies leichter, wenn die Brust vorher angewärmt wird. Auch eine Brustmassage lässt die Milch besser fließen.

Lockere Kleidung

Nach der Geburt ist es angenehmer lockere Kleidung zu tragen und auf enge BHs zu verzichten. Gerade in der Zeit bis sich das Stillen einspielt hat, ist es wichtig darauf zu achten, dass dein Brustdrüsengewebe nicht eingeengt wird. Das könnte sich sonst negativ auf die Milchbildung auswirken.

In speziellen Shops gibt es gute Empfehlungen und eine große Auswahl an praktischer und schöner Stillkleidung, die dir im Alltag das Stillen angenehmer machen.

 Brustmassage mit Stillöl

Hebammen empfehlen gerne eine Brustmassage mit Stillöl, da es auch eine positive Wirkung auf die Milchproduktion haben kann. Bei einem Ziehen in der Brust, wenn das Baby trinkt bzw. wenn das Stillen schmerzhaft ist, lindert eine leichte Brustmassage häufig die Beschwerden, so dass es für euch beide eine harmonische und glückliche Stillzeit ist.